vesparisti – oder frag doch den inder

der traum vom eigenen italienischen kultroller, den habe ich schon lange und viele andere auch – schlecht für meinen geldbeutel.
die preise für die alten knatterkisten mit dem ausladenden heck explodieren regelrecht. ein exemplar aus vor 1975 in einem halbwegs vertretbaren zustand kostet gut und gerne fünftausend euro, unzuverlässige technik made in italy inklusive.

diese tatsache und der umstand, dass mein leben mit zwei kindern, haus, zwei autos und so weiter monat für monat ein kleines vermögen verschlingt hat diesen traum platzen lassen oder zumindest wurde die umsetzung verschoben.
im letzten frühjahr habe ich dann meinen plan geändert und mir eine puch rl 125 baujahr 53 gekauft.

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nach einigen restaurationsarbeiten (tank entrosten, schleifen, ersatzteile bestellen, motor instandsetzen, …) hat mich doch wieder das vespafieber gepackt und ich hab mich wieder auf die suche gemacht.

beim stöbern im internet bin ich dann auf die firma lml aufmerksam geworden. lml hat ende der 90er einen deal mit piaggio gemacht und die pläne und werkzeuge der legendären px-reihe gekauft, und produziert eben diese unter dem namen star 125, 150 oder 200 in indien. klassisch mit blechkarosserie, 4-gang handschaltung und kickstarter. um auch dem anspruchsvollen europäischen klientel zu entsprechen bieten die inder die star auch mit automatik, e-starter und motor in euro-3-norm an.

gut, ein klimarettender automatikroller steht jetzt auf meinem wunschzettel nicht gerade ganz oben, aber gut, die good old basisversion wird ja auch noch angeboten.

also auf gehts um einen händler in der nähe zu suchen um eine probefahrt zu vereinbaren. nach ein paar missglückten anläufen fand sich dann ein händler, der die lml sogar stunden- oder tageweise vermietet. termin vereinbart, und am montag wars dann soweit.
da stand sie also vor mir, eine vespa aus indien in elegantem silber mit braunem kunstledersattel. die tankanzeige stand auf unter null und von weitem konnte man sehen, dass beide reifen schon länger keinen kontakt mit einem kompressor hatten. nach einem kurzen ‚papiere brauchst eh koane, oda?‘ gings los von traun in richtung almsee.

erste pause = erste tankstelle
einen schluck super und zwei kräftige puster mit dem kompressor und der dezent knatternde 125er 2takt-motor hatte wieder freude am leben. ich brauchte noch fünf oder sechs ampeln um mich ans schalten per hand zu gewöhnen dann ging die post ab – mit sportlichen 85 kilometern die stunde.
es fühlte sich gut an, so als wäre die mopedzeit erst gestern zu ende gegangen. es riecht nach sprit, die mücken kleben im gesicht, die tanknadel tanzt lambada, die landschaft zieht gemütlich vorbei, man spürt die freiheit!

so gings dann den ganzen tag und 280 kilometer weiter. überland, auf bergstrassen, durch den stadttschungel, am see entlang und über schotterpisten. kurze zwischenstopps in cafés, zu hause und auf der tankstelle.

mein fazit:
– der in indien gefertigte roller macht einen soliden eindruck
– wenig liebe zum detail, billige chromteile
– rostanfällig
– braver, vor allem im stadtverkehr und auf bergstrassen, lustiger und gut ziehender motor
– gemeingefährliche, billige bereifung
– straffes, gut abgestimmtes fahrwerk
– bissige scheibenbremse vorne
– rollerfeeling pur
– reisetauglich bis ca. 500 km am tag
– neu günstiger als eine gebrauchte px
– 2 jahre garantie
– schickes, wirklich schönes und zeitloses design ala px

kurz gesagt ein tolles, absolut alltagstaugliches paket mit kleinen schwächen zum kampfpreis!

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